Zwischenbericht zur Sanierungsmassnahme – die Tomburg erneut im Ausschuß für Standortförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur

Seit dem letzten Bericht über den LinkInt Zustand und Substanzverlust der Tomburg sind drei Jahre vergangen, in denen die aktuell laufenden Sanierungsmassnahmen vorbereitet wurden. Am 16. November 2017 wurden in einem Zwischenbericht Methoden und Herausforderungen des Projektes erläutert und erste Ergebnisse vorgestellt.

Hier finden Sie eine bebilderte Textfassung des Vortrages:
LinkInt »Tomburg-Sanierung – Zwischenbericht«.

Bautagebuch: nach 2 Monaten

Die Skizze verdeutlicht die Lage der besprochenen Strukturen zueinander. Die sich im Norden und Nordwesten anschließenden Teile sind ebenso Anbauten wie der aktuell sanierte, orange markierte Bereich. Janssen interpretiert verschiedene Bauphasen, die allerdings noch nicht genauer datiert werden konnten.

Die Arbeiten an dem quadratischen Anbau haben große Fortschritte gemacht (Mauer M20). Die Mauerschale wächst auf der Innenseite weiter in die Höhe, zusätzlich verankert mit vermauerten Metallstreben. Ziel ist, dass sie rd. 40 cm über die Lauffläche oben, auf der Ofenseite, hinausgeht. Von oben betrachtet entsteht so ein sichtbarer Rand in das Innere des quadratischen Grundrisses hinein.

Die Mauer M13 ist nun vorbereitet für die Aufmauerung; Material liegt bereit. Sie bildete die Außenmauer eines rechteckigen Gebäudes mit lichten Innenmaßen von 7,70 x 4,40 m. Gegenüber der vom Bergfried kommenden verlaufenden Mauer M1 ist das Gebäude leicht nach Südosten gedreht errichtet worden. Es stößt unmittelbar an die äußere Umfassungsmauer und kann aufgrund der massiven Fundamente als mehrgeschossiger ›Turm‹ angesprochen werden. Die quadratische Struktur wurde in einer späteren Bauphase angebaut. Eine genauere Datierung ist leider bisher nicht möglich. Lediglich ein im Fundament von M1 gefundenes Fragment Pingsdorfer Keramik wurde von Janssen 1968 frühestens ins 12. Jh. datiert; weitere Bauphasen sind folglich jünger.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Die folgenden drei Beiträge in dem Blog sind seit dem letzten Newsletter-Versand ebenfalls hinzu gekommen.

Bautagebuch: nach den Herbstferien

Sanierungsbereich Tomburg: gelb markiert sind stark geschädigte Bereiche, in denen mit den Sicherungsarbeiten begonnen wurde. (Kartengrundlage: »Die Tomburg. Rheinbach-Wormersdorf, Rhein-Sieg-Kreis – Gesamtplan« (Ausschnitt) Topographische Aufnahme: K. Grewe 1968. Digitalisierung, Erhebung und Kartographie: Andreas Herrmann).

Die Herbstferien sind zu Ende; in der zweiten Ferienwoche war auch der Tomburg eine Pause vergönnt. Seit gestern wird nun weiter gearbeitet und es geht wieder einmal um Steinmaterial, genauer um Steine, die als Ecksteine verwendet werden können. Echte Ecksteine sind zwar Mangelware, die rechten Winkel an den Mauerecken können aber auch mit gängigem Material nachgebildet werden. Wie lange dies noch möglich sein wird, hängt davon ab, wie sich die Temperaturen entwickeln. In der Regel gilt, dass bei auftretendem Frost nicht weiter gemauert werden kann, denn die empfohlene Verarbeitungstemperatur sollte nicht unter 5° C liegen. Andererseits gibt der Mörtel beim Abbinden Wärme ab, die eindringende Kälte lokal verdrängen kann.

Die Sicherungsarbeiten bieten zudem die Möglichkeit, archäologische Ergebnisse aus dem Jahr 1968 insbesondere zu baulichen Fragen aus heutiger Sicht neu zu betrachten. Es sind oft kleine Details, die aber Hinweise geben können auf die Struktur der Gesamtanlage und neue Fragen aufwerfen.
Hierzu zwei kleine Beispiele:

In der Innenecke zwischen den Mauern M12 und M14 befindet sich eine ca. 25 x 20 cm große Öffnung, deren Boden und Decke aus Steinplatten bestehen. Sie führt ca. 80 cm tief in die Mauer hinein. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Kanal, der Ab- oder Niederschlagswasser aus höher gelegenen Bereichen abgeführt hat; seine Fortsetzung fehlt allerdings, denn er öffnet sich an dieser Stelle in einen Keller. Dies ist in den damaligen Grabungsberichten nicht erwähnt.

Das große Loch in Mauer M14 wurde geschlossen.

 

Die quadratische Struktur (gelbe Markierung in Übersichtskarte) liegt nach Süden zum Rand des Halsgrabens hin orientiert und wird gebildet aus den Mauern M19 (Trennmauer zwischen oberem Burgplateau und Wirtschaftsgebäuden auf der Grabenseite), M16 (äußere Umfassungsmauer zum Hang hin) und M20, die einen rechten Winkel bildet und in einer späteren Bauphase an die Mauern M19 und M20 angesetzt wurde. Am heutigen Ende von M20 liegt ein ein sehr großer Stein, der nach seiner heutigen Position zur Hälfte in M20 integriert war. 

Betrachten wir die Südseite von M20 genauer: auf dem 1968er Grabungsplan ist eine Mauer verzeichnet, die parallel zur äußeren Umfassungsmauer auf den Halsgraben zuläuft. Am äußersten Rand eines historischen Fotos des Grabungsgeländes ist eine Mauer gerade noch erkennbar. Aus heutiger Sicht ist im Befund der Ansatz einer Mauer erkennbar, die zudem – immerhin einen Meter dick – im Verbund mit M20 gemauert wurde. Sie setzt am südlichen Ende von M20 im rechten Winkel an. Ihre Länge und der weitere Verlauf sind derzeit unklar. Auf den ersten Blick entsteht so ein etwa 50 cm breiter Zwischenraum zur äußeren Umfassungsmauer. Allerdings finden sich auch in diesem Zwischenraum weitere Fundamentsteine, die im Verbund mit M20 liegen und auch an ihrer Oberseite Mörtelanhaftungen aufweisen. Diese Fundamentsteine sind eng an den oben erwähnten Stützstein gesetzt. Daher könnte es sein, dass das aufgehende Mauerwerk in einer Breite von 1,5 m errichtet wurde, mindestens bis an den Stein heran. Der Stein selber war nach seiner heutigen Position sowohl Teil von M20, als auch der an M2o ansetzenden Mauer. Das ihn umgebende Mauerwerk hat er im Zuge der Erosion verloren und ist alleine zurück geblieben.
Über die Funktion dieser Struktur kann zur Zeit nur spekuliert werden: sehr wahrscheinlich erscheint mir an dieser Stelle eine Stützmauer, da das Gelände sowohl zum Hang, als auch zum Graben hin abfällt. Sie hätte M20 in einer Breite von 2,2 m in dem Winkel zwischen M20 und der äußeren Umfassungsmauer abgestützt.

Auch aus diesem Bereich ein paar Bilder zum jetzigen Zustand in der Gallerie.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Die Tomburg – eine Spurensuche

Mittwoch, d. 17. Mai und Samstag, d. 20. Mai 2017:
Vortrag im Zehnthaus in Odendorf mit Unterstützung der kleinen Tomburg-Madonna:
hat mir viel Spaß gemacht – vielen Dank an den Zehnthaus-Verein
Eine Spurensuche anhand von Baugeschichte und Archäologie auf der Suche nach authentischen Befunden mit den aktuellen Entwicklungen zum Schutz und Erhalt der Burg – ergänzt durch eine Exkursion auf den Tomberg.
LinkExt »Die Tomburg – eine Spurensuche
Andreas Hermann führte durch die Exkursion an der Tomburg«

(Blick aktuell v. 04.06.2017)

LinkExt Zehnthaus-Verein
LinkInt Eine »Madonna mit dem Kinde« auf der Tomburg – Augenzeugin der Zerstörung

Plateau sichern – Burgreste erhalten

Mittlerweile wurden drei Arbeitspapiere zur Sicherung und dem Erhalt der Tomburg der Stadt Rheinbach als ›Untere Denkmalbehörde‹ vorgelegt. Die darin enthaltenen Vorschläge und Empfehlungen konkretisieren  konzeptionelle Überlegungen aus meinem Vortrag vom November 2014 im Ausschuß für Standortförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur, der hier bereits veröffentlicht wurde: LinkInt »Die Tomburg – Zustand und Substanzverlust«.

Beitrag 1: Das Plateaugeländer

Bestandsaufnahme des umlaufenden Geländers am Rand des Plateaus, notwendige Instansetzung und Empfehlungen zur Verlegung in Teilabschnitten.
LinkInt Zur Erneuerung des umlaufenden Plateaugeländers. Bestandsaufnahme – Kartierung – Mengengerüst

Beitrag 2: Bausubstanz aus dem 15. Jahrhundert

Bestandsaufnahme und Schadensbilder mit Empfehlungen zur Sicherung des sichtbaren Bestandes verbunden mit einer Sichtbarmachung bisher verborgener weiterer Befunde.
LinkInt Sicherung des sichtbaren Bestandes und Sichtbarmachung der Befunde. Bestandsaufnahme und Schadensbilder

Beitrag 3: Baumkartierung

Gräser, Büsche und Bäume im unmittelbaren Bereich des Denkmales gefährden den Bestand. Sie wurden nach Gefährdungspotential kartiert.
LinkExt Bäume im Bereich des Bodendenkmals

Erfahren Sie mehr… LinkInt Erhaltungsmaßnahmen: Vorschläge und Empfehlungen

Eine »Madonna mit dem Kinde« auf der Tomburg – Augenzeugin der Zerstörung.

Icon: interner Link Eine Madonna mit dem Kinde von der Tomburg

(Foto: Andreas Herrmann)

(Foto: Andreas Herrmann)

Ein bisher unveröffentlichter Fund konnte aus den Depots des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege gehoben werden: eine mögliche »Augenzeugin« der Zerstörung rund um die Belagerung der Tomburg im Jahre 1473. Dieses Einzelstück stammt aus einer Grabungskampagne, die das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege auf dem Gelände der Tomburg bei Rheinbach durchführte. In dessen Verlauf wurde eine kleine Tonstatuette einer »Madonna mit dem Kinde« geborgen. Dieser bisher unveröffentlichte Fund wird hier vorgestellt und im Hinblick auf Herkunft und Bedeutung untersucht werden.

(In: Mitteilungsblatt der Freunde des Archivs der Stadt Rheinbach, 9-2010)