Plateau sichern – Burgreste erhalten

Mittlerweile wurden drei Arbeitspapiere als Beiträge zu Sicherung und Erhalt der Tomburg der Stadt Rheinbach als ›Untere Denkmalbehörde‹ vorgelegt. Die darin enthaltenen Vorschläge und Empfehlungen konkretisieren  konzeptionelle Überlegungen aus meinem Vortrag vom November 2014 im Ausschuß für Standortförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur, der hier bereits veröffentlicht wurde: LinkInt »Die Tomburg – Zustand und Substanzverlust«.

Beitrag 1: Das Plateaugeländer

LinkInt Zur Erneuerung des umlaufenden Plateaugeländers. Bestandsaufnahme – Kartierung – Mengengerüst

(Kartengrundlage: „Die Tomburg. Rheinbach-Wormersdorf, Rhein-Sieg-Kreis – Gesamtplan –„ (Ausschnitt) Topographische Aufnahme: K. Grewe 1968. Digitalisierung, Erhebung und Kartographie: Andreas Herrmann, 16.07.2015)

(Kartengrundlage: „Die Tomburg. Rheinbach-Wormersdorf, Rhein-Sieg-Kreis – Gesamtplan –„ (Ausschnitt) Topographische Aufnahme: K. Grewe 1968. Digitalisierung, Erhebung und Kartographie: Andreas Herrmann, 16.07.2015)

Besuchern der Tomburg fällt immer wieder der desolate Zustand des umlaufenden Geländers auf, der sich über die Jahre aufgrund von Witterungseinflüssen und leider auch Vandalismus entwickelt hat. Die Hölzer sind zunehmend mürbe und angefault und bieten nicht mehr die notwendige Standfestigkeit. Zwischen den Pfosten fehlen abschnittsweise Handlauf und Querlatten; an zwei Teilstrecken fehlt das Geländer komplett. Der Abstand des Geländers zur Abbruchkante sollte neu überdacht werden; gegebenenfalls kann eine Rückverlegung des Geländers die Sicherheit erhöhen. Für den Fall, das diese Maßnahme umgesetzt werden soll, ist insbesondere das LinkExt Amt für Bodendenkmalpflege beim LVR zu beteiligen, denn mindestens das Setzen neuer Pfosten bedeutet einen Eingriff in das Bodendenkmal ›Tomburg‹.

Beitrag 2: Bausubstanz aus dem 15. Jahrhundert

LinkInt Sicherung des sichtbaren Bestandes und Sichtbarmachung der Befunde. Bestandsaufnahme und Schadensbilder. Nach der archäologischen Untersuchung einer etwa 20 x 20 m großen Fläche im Jahre 1968 sind die dokumentierten Grundmauern Anfang der 1970er Jahre durch die Stadt Rheinbach auf die heute sichtbare Höhe aufgemauert worden. Dadurch entsteht ein räumlicher Eindruck von der Lage der Gebäude Ende des 15. Jh.; gleichwohl sind Annahmen über das aufgehende Mauerwerk immer Spekulation. Immerhin ist von einem mehrgeschossigen Gebäude mit vorgelagerten Wirtschaftsgebäuden mit einer Ofenanlage auszugehen. Hinweise hierauf liefern Ansätze einer Treppenkonstruktion und die Dicke der Mauern. Diese Indizien werden durch Inventarverzeichnisse aus dem 15. Jh. unterstützt. Auf den fortschreitenden Verlust an Bausubstanz ist wiederholt von mir hingewiesen worden. Mit diesem Beitrag werden die Bauschäden fotografisch detailliert aufgezeigt. Für eine bauphysikalisch sachgerechte Sicherung wird weitere fachliche Unterstützung erforderlich sein, dies auch in jedem Fall mit Beteiligung des LinkExt Amtes für Denkmalpflege im Rheinland beim LVR.

(Kartengrundlage: W. Janssen: Die Tomburg bei Rheinbach. In: Chateau Gaillard IV. Gent 1969. Kartographie: Andreas Herrmann)

(Kartengrundlage: W. Janssen: Die Tomburg bei Rheinbach.
In: Chateau Gaillard IV. Gent 1969. Kartographie: © Andreas Herrmann, 17.07.2015)

Neben der Sicherung des Baubestandes geht es aber auch um die Sichtbarmachung der Befunde, die 1968 zwar festgestellt, aber in der 1970er Jahren nicht wie die anderen Teile der Anlage gesichert und aufgemauert wurden. Seit damals sind auch die Fundamente der oben erwähnten Wirtschaftsgebäude stark gefährdet. Die Lauffläche wurde durch Witterungseinflüsse, Erosion und das normale Begehen soweit abgetragen, dass die Fundamente an der heutigen Oberfläche frei gelegt werden und die Mauern Stein für Stein verloren gehen.

Beitrag 3: Baumkartierung

LinkExt Bäume im Bereich des Bodendenkmals

2015-08-23_Baumkarte-SignaturBäume, die auf, in und unmittelbar neben archäologischen Befunden wurzeln, gefährden Denkmäler in ihrem Bestand. Windlast erzeugt über die Hebelwirkung hoch aufragender Stämme enorme Kräfte, die mechanisch auf die Mauern einwirken, ihren Verbund lockern, Spalten öffnen für eindringendes Wasser, chemische Verwitterung intensivieren und auf diesem Weg Teile der Mauerschalen herausbrechen lassen.
Diese Bäume sollten knapp über dem Boden gekappt werden.

Ein komplettes Entfernen der Wurzelstöcke ist ohne weitere Zerstörung der Befunde nicht möglich. Um ein erneutes Ausschlagen der Wurzelstöcke zu verhindern, können von oben in die Köpfe der Stümpfe Rillen gesägt werden. In ihnen sammelt sich Wasser und führt zu einem langsamen Verrotten. Vor Durchführung dieser Maßnahme müssen die Untere Landschaftsbehörde und das zuständige Forstamt beteiligt werden.

Diese Beiträge sind nur der Anfang. Eine Ermittlung des genauen Materialbedarfes und der anzuwendenden Methoden ist bisher nicht erfolgt. Dies und die planungsrechtlichen Voraussetzungen, allen voran das ›Denkmalpflegerische Einvernehmen‹, können nur durch die Eigentümerin des Tomberges hergestellt werden.

Tomberg-Rundflüge

Schauen Sie mal:
Frank Schütteler fliegt rund um den Bergfried und zeigt von unten nicht erkennbare Details in spannenden Perspektiven;
Martin Merten zeigt die Schönheit des ›Tomberger Ländchens‹ im Frühsommer.
Für mich zur Zeit die schönsten Beispiele aus der zunehmenden Zahl an Quadcopter-Videos; Perspektive, Schnitt, Musik & Ton – sehr gelungen;
vielen Dank an die Piloten und Filmnachbearbeiter/-innen.

Rund um den Bergfried


(Quelle: LinkExt Frank Schütteler auf YouTube)

Das ›Tomberger-Ländchen‹ im Frühsommer


(Quelle: LinkExt Martin Merten auf YouTube)

Tomburg – neu möbliert – ein Nachtrag

Nur der Vollständigkeit halber sei hier an ein weiteres Beispiel für sinnlosen Vandalismus erinnert: Die im Herbst 2013 gestiftete edle Icon: interner Link Basalt-Sitzgruppe mit Tisch ist nach rd. eineinhalb Jahren komplett verschwunden.

Foto vom 6. März 2015 (© Andreas Herrmann)

Foto vom 6. März 2015 (© Andreas Herrmann)

Nach der Zerstörung im September 2014 (siehe auch LinkExt Bericht im General-Anzeiger Bonn) stand Mitte Februar 2015 nur noch ein Hocker an seinem Platz; einen Monat später war auch dieser verschwunden. Was bleibt ist ein Flecken hellgrauen Schotters; ein weiteres Zaunelement fehlt.

Die Tomburg im Ausschuß für Standortförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur

2014-11-27_ZustandUndSubstanzverlust-Folie1Hier finden Sie eine bebilderte Textfassung des Vortrages:
LinkInt »Tomburg – Zustand und Substanzverlust«.

Am 20. November 2014 wurde im ›Ausschuss für Standortförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur‹ auf Einladung der Stadt Rheinbach über den aktuellen Zustand, den kontinuierlichen Substanzverlust, aber auch über Perspektiven für Burg und Berg vorgetragen.

Der General-Anzeiger Bonn berichtet:LinkExt »Zahn der Zeit nagt an der Tomburg«.

Tomburg – noch ein Möbel…

Panoramablick am Südrand des Walder unterhalb der Tomburg. (Andreas Herrmann)

Panoramablick am Südrand des Walder unterhalb der Tomburg. (© Andreas Herrmann)

StifterschildAm südlichen Rand des Waldes, dort, wo der Aufstieg zur Tomburg beginnen kann, steht seit kurzem eine Liege. An diesem wunderbaren Platz kann sich der Rücken erholen und der Blick wandert durch ein großes Panorama: von den sieben Bergen durch das Wachtberger Ländchen über die Ipplendorfer Kirche zu Feldern und Obstwiesen bis in die Wälder der Voreifel. Vielen Dank an die Tomburg Ritter.

Tomburg – neu möbliert

Sitzgruppe vor dem Bergfried. (Foto: Andreas Herrmann)

Sitzgruppe vor dem Bergfried.
(© Andreas Herrmann)

Bereits am 6. November 2013 berichtete das »Schaufenster / Blickpunkt« über eine Schenkung der Firma Faßbender-Tenten: »… eine Basaltstein-Sitzgruppe für die Tomburg übergab Christian Faßbender, Geschäftsführer der Faßbender-Tenten GmbH & Co KG, in einer Feierstunde im Himmeroder Hof an Bürgermeister Stefan Raetz.«
Für dieses im besten Sinne bürgerschaftliche Engagement kann man nur ausdrücklich danken.

Nun sind die Arbeiten an der Sitzgruppe abgeschlossen. Sie fand ihren Platz am Osthang unter der Linde. In dem gesamten denkmalgeschützten Ensemble der Tomburg innerhalb des Naturschutzgebietes Tomberg mit Sicherheit die prominenteste Stelle mit einem grandiosen Ausblick über das Wachtberger Ländchen, Siebengebirge und über Rheinbach in die Köln-Bonner-Bucht.

Tisch und Hocker aus Basaltstein. Die Tisch- und Sitzflächen haben eine polierte Oberfläche. (Foto: Andreas Herrmann)

Tisch und Hocker aus Basaltstein. Die Tisch- und Sitzflächen haben eine polierte Oberfläche.
(© Andreas Herrmann)

So begrüßenswert diese Einzelmaßnahme auch ist, stellt sich dennoch die Frage, wie sich diese verbesserte Aufenthaltsqualität verträgt mit der bereits jetzt zu beklagenden Belastung des Tombergs durch wildes Grillen, Müll und Vandalismus. Hinzu kommt die Nutzung des Tomberges als eine Art Abenteuerspielplatz für Kinder.

Angesichts dieser auf den ersten Blick unvereinbaren Ansprüche aus Naturschutz, Denkmalschutz und Naherholung ist ein Nutzungskonzept wünschenswert, das zukünftige Einzelmaßnahmen zu einem sinnvollen Ganzen verbindet.
Erste Anregungen hierzu sind in Vorbereitung.

Sitzgruppe unter der Linde. Der Baum stabilisiert mit seinen Wurzeln den Hang. Die schräg stehenden Zaunpfosten links davon zeigen die natürlich Bodenbewegung an. Auch die Fundamente der Pfosten sind durch die natürliche Erosion auf etwa 10 cm Höhe frei gelegt. (Foto: Andreas Herrmann)

Sitzgruppe unter der Linde. Der Baum stabilisiert mit seinen Wurzeln die Hangkante. Die schräg stehenden Zaunpfosten links davon zeigen die natürlich Bodenbewegung an. Auch die Fundamente der Pfosten sind durch die natürliche Erosion auf etwa 10 cm Höhe frei gelegt.
(© Andreas Herrmann)

Tomburg in der EBIDAT

dbv_logoNach drei Jahren hat das Europäische Burgeninstitut der Deutschen Burgenvereinigung die Arbeit an der »Burgendatenbank» abgeschlossen, in der alle Burgen, Burgruinen und Bodendenkmäler in Nordrhein-Westfalen verzeichnt sind. Der General-Anzeiger Bonn berichtet: LinkExt »Burgdatenbank: 2207 Burgen auf einen Klick«.

Die LinkExt Tomburg ist auch dabei.

Hangrutsch am Ostrand

Der Verlust an historischer Bausubstanz schreitet fort – in der Regel nur sehr langsam. Im Januar 2013 jedoch haben sich wenige Meter unterhalb der nordöstlichen Hangkante des Burgplateaus große Teile einer Stützmauer der Burg gelöst. Mehrere Kubikmeter der Mauer sind  — vermischt mit Felstrümmern — abgegangen. Auf seinem Weg nach unten »umfloß« das Material einen ca. 4 m hohen Felsen und kam erst am Fußpunkt des Steinbruches zum Stillstand. Kulturschutt (Scherben etc.) konnte nicht festgestellt werden.

Der Ausgangspunkt des Erdrutsch befindet sich in der linken oberen Ecke des Bildes. ( Andreas Herrmann)

Der Ausgangspunkt des Erdrutsch befindet sich in der linken oberen Ecke des Bildes.
(© Andreas Herrmann)

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Von der hellen Stelle unterhalb der Baumwurzel hat sich das Material gelöst.
(© Andreas Herrmann)

Der Schutt floß um diesen Felsen herum; das abgeschürfte Erdreich rechts und links davon ist noch gut zu erkennen. ( Andreas Herrmann)

Der Schutt floß um diesen Felsen herum; das abgeschürfte Erdreich rechts und links davon ist noch gut zu erkennen.
(© Andreas Herrmann)

Der untere Bereich der Schutthalde. ( Andreas Herrmann)

Der untere Bereich der Schutthalde.
(© Andreas Herrmann)

Mörtelverbund der abgegangenen Bausubstanz. ( Andreas Herrmann)

Mörtelverbund der abgegangenen Bausubstanz.
(© Andreas Herrmann)

Tomburg ziert Sirupbecher

Logo: Grafschafter Goldsaft

(mit freundlicher Genehmigung der Icon: externer Link Grafschafter Krautfabrik Josef Schmitz KG, Meckenheim)

Seit ca. 15 Jahren findet sich die Tomburg auch auf den Bechern des LinkExt »Grafschafter Goldsaft«

1904 beginnt Josef Schmitz mit der Fabrikation von Zuckerrübensirup (rhein.: »Rübenkraut«). Zunächst erhalten die Kunden den Sirup aus Holzfässern, aus denen er in mitgebrachte Marmeladengläser umgefüllt wird. Seit 1953 wird der Sirup im »Gelben Becher« abgefüllt und kann in dieser Verpackung über weite Entfernungen im Lebensmittelhandel verkauft werden. Zu Beginn nur beschriftet mit »Grafschafter Goldsaft«, wird das Etikett später um ein Logo erweitert.

Logo-Ausschnitt Grafschafter Goldsaft

(mit freundlicher Genehmigung der Icon: externer Link Grafschafter Krautfabrik Josef Schmitz KG, Meckenheim)

Der »Gelbe Becher« ist bis heute unverändert. Die Tomburg wurde 1996 bei der Überarbeitung des Markenlogos erstmals auf die Verpackungen gebracht. 2010 wurden Schriftzug und Grafik des Etiketts überarbeitet. Die Tomburg ist auch hier fester Bestandteil der Wort-Bild-Marke und symbolisiert die Verbundenheit der Grafschafter Krautfabrik mit der Region.