Vorsicht! Absturzgefahr!

Um die Besucher des Tomburg-Plateaus auf die Absturzgefahr aufmerksam zu machen, hat die Stadt Rheinbach zwei große Warnschilder aufgestellt und damit auch das Betreten des abgesperrten Bereichs verboten. Mobile Bauzäune dienen als Abgrenzung. Sie umfassen den Bereich der Sanierungsmassnahme 2017/2018 und sollen verhindern, dass auf die Oberseite der Mauerzüge geklettert und entlang gelaufen wird. Die Fundamente des Ofens mit den anderen Wirtschaftgebäuden sind leider weiterhin begehbar.

Das umlaufende Plateaugeländer ist an einigen Stellen so marode, dass Handläufe verfault und weggebrochen sind (Foto: Richard Feldmann).

Dies soll allerdings nicht so bleiben. Es ist immer noch beabsichtigt, das umlaufende Plateaugeländer zu erneuern und im Vorfeld der Maßnahme soll der konkrete Verlauf des Geländers auch die archäologischen Befunde schützen. Im Übrigen besteht die Absturzgefahr nicht nur im Sanierungsbereich, sondern an mehreren Stellen entlang der umlaufenden Hangkante. ! Bitte achten Sie auf Ihre Kinder !

(Fotos: Andreas Herrmann)

Bautagebuch: Absturzsicherung an Spritzbetonwand

Schon bei der Abnahme der Sanierungsarbeiten 2017/2018 wurde die Absturzgefahr an einer Stelle als sehr hoch bewertet. Denn die auffällige Spritzbetonwand zur Hangsicherung weckt die Neugier der Besucher, sich dieser Kante zu nähern, hinter der das Gelände ca. 40 m zum Steinbruch hin sehr steil abfällt.

Im Sinne einer schnellen ›Gefahrenabwehr‹ hat die Stadt Rheinbach daher ein Geländer beauftragt. Dabei ist die Bauausführung besonders hochwertig: die Pfosten sind aus Eiche und stehen in feuerverzinkten Pfostenschuhen auf der Stützmauer; gegen ein hangseitiges Abknicken sind sie durch Winkel an der Außenseite gestützt. Die Handläufe bestehen aus Douglasie und sind doppelt ausgeführt: ein zusätzliches Querholz befindet sich in kindgerechter Höhe.

Insgesamt entsteht der Eindruck eines ›Balkons‹. Um allerdings den Ausblick hinüber zum Siebengebirge genießen zu können, müssten die Sichtachsen in Abstimmung mit dem Forstamt frei geschnitten werden. Voraussetzung hierfür sollte aber auch ein Wegekonzept sein, das aufzeigt, wie die Besucher durch weitere Geländer entlang einer entsprechenden Wegeführung diese Stelle sicher erreichen können.

Das Geländer kurz nach der Fertigstellung (Foto: Andreas Herrmann).

Das Thema der Plateauumzäunung ist übrigens keine denkmalpflegerische Maßnahme, sondern wird auch im Hinblick auf die Haushaltsmittel einer Gefahrenabwehr im Sinne der ›Vekehrssicherung‹ zugeordnet. Zur Zeit wird geprüft, inwieweit die hier praktizierte Bauausführung als Vorbild für die gesamten Ränder des Burgplateaus übernommen werden kann.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Bautagebuch: die Mauerkronen bilden den Abschluss

Dies ist der vorerst letzte Eintrag in das Bautagebuch, denn mit der Bauabnahme am 5. Juli wurde die Sanierung 2017/2018 abgeschlossen und die Tomburg-Baustelle geräumt.

Presseecho: Axel Vogel im General-Anzeiger Bonn:
– online: LinkExt  »Denkmalschutz – Arbeiten an der Tomburg in Rheinbach sind beendet.«
– in der Druckausgabe v. 03.07.2018 »Arbeiten an der Tomburg sind beendet. In dieser Woche räumt die Sanierungsfirma die Baustelle in Rheinbach. Stiftung gibt 30 000 Euro zusätzlich.«

Das Bautagebuch hat Sie aus allgemein verständlicher technischer Sicht über durchgeführte Arbeiten und ihre Ergebnisse informiert und sobald weitere Massnahmen starten, werde ich die Berichte auch weiter führen. Wenn Sie die Seiten im Bautagebuch nachlesen möchten, hierzu noch ein Tipp: in der rechten Spalte finden Sie eine Liste mit ›Kategorien‹. Wenn Sie eine Kategorie anklicken, wirkt diese wie ein Filter, und es werden Ihnen nur die dazu gehörenden Beiträge angezeigt, also z.B. alle Einträge im Bautagebuch.

Die Mauerkronen bilden den Abschluss

Schon während der Planungsphase wurde beschlossen, das sanierte Mauerwerk mit einer harten Abdeckung auf der Oberseite zu verschließen. Diese sollte die darunter liegenden Fugen gegenüber Niederschlägen abdichten und verhindern, dass Pflanzen mit ihren Wurzeln in kleine Spalten eindringen. Um die Stabilität zu erhöhen wurden dem Kalk-Trass-Mörtel Kunststofffasern beigefügt.

Erste Probefläche nicht akzeptabel

Die Bauausführung wurde allerdings nach den ersten Probeflächen nochmal geändert. Zunächst wurde die Idee verfolgt, an den Rändern der Oberseite mit Holzbrettern ein Verschalung zu bauen, in die der Mörtel eingebracht wurde. Das Ergebnis zeigen die folgenden Bilder: eine mehrere Zentimeter dicke Mörtelplatte, die entweder an den Rändern übersteht oder deren Mörtelmasse zwischen Schalbrett und Steinen ausgetreten ist. In jedem Fall erscheint die entstehende Platte als zu massiv und ästhetisch wenig ansprechend, so dass mit der Baufirma und dem Freundeskreis in Absprache mit der Denkmalpflege nach einem anderen Weg gesucht wurde. Die einmal erstellten Probeflächen wurden allerdings aus finanziellen Gründen so belassen.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Zweite Probefläche fügt sich harmonisch ein

Die Ergebnisse an einer weiteren Probefläche überzeugten: die Mörtelmasse wurde mit der Kelle in einer Dicke von wenigen Zentimetern aufgetragen. Auch hierbei wurde darauf geachtet, in der Fläche schiefe Ebenen zu formen, damit Niederschläge abfließen können. Die Ränder passen sich dem Verlauf der Steinkanten an, so dass insgesamt ein harmonischer Gesamteindruck entsteht.

(Fotos: Andreas Herrmann

An einigen Stellen löste sich die Abdeckung vom Untergrund. (Foto: Andreas Herrmann)

Noch eine Nachbesserung erforderlich

Leider entwickelten sich vorwiegend in den Randbereichen der Abdeckung hohle Stellen. Diese entstanden durch eine zu geringe Haftung zwischen Kalk-Trass-Mörtel und Basaltsteinen, so dass diese losen Stellen entfernt werden mussten. Danach wurde zunächst eine ›Haftbrücke‹ zwischen Verlegemörtel und Basalt aufgebracht, um eine ›kraftschlüssige‹ Verbindung  zwischen beiden herzustellen (LinkInt TNH-flex von tubag).

 

Bautagebuch: ein Rundgang beeindruckt mit erstklassig sanierten Mauern

Ein Rundgang zwischen den sanierten Mauern ist schon beeindruckend – vor allem, wenn man sich an den alten Zustand erinnert. Heute sehen wir eine handwerklich erstklassige Arbeit – die Bilder sprechen für sich. Damit nähert sich die ›Sanierung 2017/2018‹ ihrem Ende. Zum Abschluss werden die Mauern von oben noch eine Abdeckung erhalten.

Wie Sie der Presse bereits entnehmen konnten, wird die Aufmauerung der Fundamente leider nicht mehr in diesem Projekt erfolgen können. Der ›Freundeskreis Tomburg‹ ist jedoch aktuell mit der Stadt Rheinbach und anderen Beteiligten im Gespräch, um die Möglichkeiten einer Fortführung dieser Arbeiten ehrenamtlich und mit Hilfe von Sponsoren zu organisieren. Für dieses Vorhaben sind wir für jede Unterstützung dankbar! Als Sofortmassnahme bemühen wir uns um eine gesicherte Aufbewahrung der vorbereiteten Bruchsteine; sie werden noch für die Aufmauerung benötigt.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Bautagebuch: Fugen werden geschlossen

In dieser Woche können Besucher der Burg das Verfugen der Mauern beobachten. Nach einer LinkInt Reinigung neuer und alter Fugen mit Strahlmittel, werden sie nun in einem Verfahren der ›Spritzverfugung‹ geschlossen. Hierzu wird Trass-Kalk-Fugenmörtel mit hohem Druck in die Fugen gespritzt, so dass diese Fugenmasse zwischen den Steinen bis auf den Grund der Zwischenräume vordringen kann. In einem letzten Schritt wird überschüssiges Material von den Steinen ›gestrahlt‹, so dass die Fugen zwischen den Bruchsteinen deutlich sichtbar hervor treten. Die Fugenmasse schließt bündig mit den Steinkanten ab, Niederschläge können ungehindert abfließen.

 

(Fotos und Video: Andreas Herrmann)

Bautagebuch: Alte Mauern frisch gereinigt

Das Mauerwerk ist für die Spritzverfugung vorbereitet. Die Art der verwendeten Steine (mit wenigen Ausnahmen Basalt) ist jetzt besonders gut zu erkennen. (Foto: Andreas Herrmann).

Wenn Sie über die Osterfeiertage die Tomburg besuchen, können Sie blitzblanke Mauerfugen betrachten. Die Fugen sämtlicher Mauern zwischen Bergfried und Stützmauer wurden gründlich gereinigt. Der graue Fugenmörtel wurde komplett entfernt und in diesem Arbeitsgang auch loses Material ausgeräumt. Das technische Verfahren kennen Sie von Hochdruckreinigern in Haushalt und Garten. Allerdings wird hier kein Wasser verspritzt, sondern mit fein gemahlener Hochofenschlacke ›gestrahlt‹. Nur mit den harten, wenige Millimeter großen Schlackekörnchen können auch die Mörtelreste entfernt werden, die an den seitlichen Flanken der Fugen recht lose anhaften. Der neue Fugenmörtel hat damit optimale Bedingungen, sich mit den Bruchsteinen für langen Halt stabil zu verbinden. Die Oberseiten der Mauern wurden bereits mit einer dünnen Mörtelschicht bestrichen, die offene Fugen verschließt. Sie bildet die Grundlage für eine geplante Mauerabdeckung; auf ihrer leicht geneigten Oberfläche läuft der Regen schnell ab.

Auffällig sind auch einige Haufen gebrochener Steine, die für das Verschließen einzelner Fehlstellen im Bestandsmauerwerk und für eine Aufmauerung der Fundamente im Bereich der Wirtschaftsgebäude verwendet werden können.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Bautagebuch: Spritzbeton-Stützmauer im Fels verankert

Die im LinkInt ›Bautagebuch‹ v. 29.12.2017 beschriebene  Stützmauer aus Spritzbeton wurde im Januar fertiggestellt. Nachdem zu Beginn eine Schicht aus Spritzbeton mit Stahlarmierung aufgebracht worden war, wurden vier Bodenanker durch die Reste der mittelalterlichen Umfassungmauer und Bauschutt hindurch bis in den gewachsenen Fels hinein getrieben. Nach 60-70 cm Spritzbeton und weiteren ca. 2-3 m Bauschutt und anderen Materialien stieß der Bohrkopf ab etwa drei Metern auf anstehenden Basalt des Tombergs. Nach 2,70 m weiteren Vortrieb wird durch das hohle Bohrgestänge dünnflüssiger Zement eingepreßt, der durch die Löcher im Bohrkopf austritt und sich durch Spalten und Klüfte in der Felsstruktur verteilt und aushärtet (›Injektionsverdübelung‹).
Für den Vortrieb des Bohrgestänges wurde für einige Tage eine Spezialmaschine ausgeliegen – hier in Aktion zu sehen (Video: Andreas Herrmann).

Das herausstehende Ende der Bohrstange wird passend gekürzt, so dass eine tellerförmige Kalottenplatte angeschraubt und in einem Bewehrungskorb mit Spritzbeton eingegossen wird. Eventuell auftretende Kräfte durch das lockere Material hinter der Stützmauer werden auf das gesamte Bauteil der Stützmauer übertragen und durch die Bodenverankerung aufgefangen.
(Technische Details zur hier angewendeten Geotechnik finden Sie bei der LinkExt Friedrich Ischebeck GmbH).

Als Abschluss dieser substanzerhaltenden Einzel-Maßnahme ist es beabsichtigt, die sichtbare Betonfläche mit Bruchsteinen zu verkleiden, um eine denkmalangepaßte Gestaltung zu erreichen. Die Einzelheiten der Bauausführung werden derzeit mit den Denkmalbehörden geplant.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Bautagebuch: 3 Monate Bauzeit

Anhaltende ergiebige Niederschläge führten im Dezember dazu, dass der Boden nicht mehr befahrbar war. Daher wurde frischer Schotter zur Befestigung aufgebracht. (Foto: Andreas Herrmann)

Zur Zeit ist es still auf der Burgbaustelle: letzter Arbeitstag vor den Feiertagen war der 21.12.2017; am 8. Januar 2018 werden die Arbeiten fortgesetzt.
Im Laufe des Dezember wurde das Wetter bei sinkenden Temperaturen immer schlechter: neben den Feiertagen und dem Jahreswechsel ein guter Grund für eine Baupause. Somit ist dies auch ein guter Zeitpunkt, um im Sinne des ›Bautagebuches‹ das bisher Erreichte in zwei Abschnitten zusammen zu fassen.

Übersichtskarte zum Stand der Arbeiten: gelb/orange markiert sind aufgemauerte Bereiche. M16 und M17 bilden zusammen den Bereich der Umfassungsmauer, der derzeit mit Spritzbeton gesichert und danach durch eine Bruchsteinmauer verblendet wird.

Bausubstanz aus den 1970er Jahren

Die gelb/orange markierten Bereich gehören zu Mauerzügen, die schon einmal in den 1970er Jahren aufgemauert worden waren. Sie wurden nunmehr erneuert, M13 sogar bis kurz vor die Umfassungsmauer (M16) in ihrem Verlauf neu hoch gemauert, also wieder sichtbar gemacht. Als nächstes werden die noch offen liegenden Fugen bis an die Oberfäche der Steine bündig geschlossen und die Oberseite der Mauern mit einer witterungsbeständigen Mauerkrone versehen. Bis es soweit ist, sind sie durch Folien abgedeckt. Vor der neuen Verfugung werden auch in den nicht markierten Bereichen noch kleinere Reparaturen ausgeführt, alle Fugen abschließend gereinigt und eventuell noch vorhandenes loses Fugenmaterial entfernt.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Umfassungsmauer

Der in der Übersichtskarte dunkelgrün markierte Abschnitt der ›Umfassungsmauer‹ entwickelte sich im Laufe der Untersuchung zu einem kleinen Projekt im Projekt. Die Sicherung dieses Mauerabschnittes ist nicht nur wichtig, um dieses Burgelement zu erhalten, sondern auch als substanzerhaltende Massnahme für angrenzende Bereiche. Denn die Lauffläche im Bereich der M17 (s.o.) liegt heute ca. 3-4 m tiefer als die Lauffläche zwischen den Mauern M13, M14 und M15. Dieser Höhenunterschied ist bedenklich: sollten die derzeit vorhandenen dünnen Reste der M16 nachgeben, droht ein Abrutschen des Füllmaterials zwischen den Mauern in den oberen Bereichen. Es gäbe ›kein Halten mehr‹.

Befund

Links oben verläuft die Außenkante der Umfassungsmauer M16. Davor gesetzt war eine 2,3 m breite Stützmauer M17. (Quelle: Walter Janssen: Stützmauer M17 Aufsicht, Mst. 1 : 20, Blatt 16 v. 12.06.1968. In: LVR-RAB: Ortsakte 0295/002

Das Archivmaterial zur Ausgrabung von 1968 enthält leider keine Fotos, die den Aufbau der Umfassungsmauer zeigen, so dass wir auf die schriftlichen Notizen von Dr. Janssen angewiesen sind: »Im Osten schließt der (…) Bau unmittelbar an die Umfassungsmauer des oberen Burgplateaus, M16, an. Diese Umfassungsmauer war durchschnittlich 1,80 m breit. Ihre Kanten wurden durch sorgfältig aufgemauerte Kalksteinplatten sowie Basaltplatten gebildet. Im Inneren der Mauer wurde wiederum kleineres Steinmaterial, durchweg Basalt, unter Verwendung von viel Mörtel benutzt. Man kann also auch diese Umfassungsmauer im strengen Sinne als eine Schalenmauer auffassen.«
(Quelle: Walter Janssen: Die Tomburg bei Rheinbach, Lkr. Bonn. In: Chateau Gaillard IV, Gent 1968)

Es existiert noch eine Befundskizze, die auf der Hangseite von M16 eine zusätzliche Stützmauer (M17) zeigt. Sie hat immerhin eine Breite von rd. 2,3 m. Janssen hat sie „bis zu 9 Steinlagen hoch freigelegt.“ Heute ist sie nicht mehr im Gelände zu erkennen.

Im heutigen Befund konnte die erwähnte Stützmauer (noch) nicht nachgewiesen werden. Von der Außenschale der Umfassungsmauer wurden wenige Steinlagen fest gestellt und vor den Sicherungsmassnahmen zunächst schützend abgedeckt.

Das Panorama wurde aus mehreren Aufnahmen zusammen gesetzt und zeigt den Zustand nach der vorbereitenden Reinigung vor dem Auftragen des Spritzbeton. Die Außenschale der Umfassungsmauer und das Füllmauerwerk sind bis auf ca. 40 cm an die Innenschale heran abgegangen; ca. 2 m nach Osten hin fehlt auch diese und man blickt in das offene Erdreich. Der gelbe Schlauch am oberen Bildrand markiert die heutige Lauffläche. Erkennbar werden einzelne horizontal verlaufende Steinlagen und Mörtelschichten. Am unteren Bildrand liegt der gewachsene Fels, auf dessen sehr unregelmäßige Oberfläche die Mauer gesetzt wurde.

Aufschluss der Umfassungsmauer auf der Tomburg.

Die Skizze zeigt den linken Abschnitt des Aufschlusses mit einer deutlich erkennbaren Schichtung, die allerdings durch fortschreitende Erosion insgesamt bereits nach vorne unten, auf den Betrachter zu, geneigt ist. Auch die horizontale Lagerung ist sehr gestört, dennoch lässt sich folgende Schichtenfolge in folgenden Dicken erkennen:

  1. 20-40 cm: humose durchwurzelte Schicht (braun).
  2. ca. 50 cm: großformatige Platten und Blöcke (rot). An der Unterseite des linken der beiden größten Blöcke haftet eine etwa 1 cm dicke Schicht Mörtel an. Diese könnten zu weiter aufgehendem Mauerwerk gehört haben.
  3. 70-80 cm: im Wechsel links-rechts geneigtes, kleineres Material (blau / türkis). Der Unterschied zu der Schicht darüber ist extrem. Das Füllmauerwerk ist hier als ›opus spicatum› ausgeführt (›Ährenwerkvon lat. spica = Ähre): in Lagen hochkant abwechselnd schräg gegeneinander versetzt angeordnet ergibt sich ein ährenbzw. fischgrätenartiges Muster. Diese Bauweise war schon in der Antike bekannt und wurde auch im Mittelalter angewendet. Angefüllt mit reichlich Mörtel können durch unterschiedliche Neigungswinkel mit unterschiedliche großen Steinen dennoch Schichten  gleicher Höhe erreicht werden. So konnte auch Steinmaterial verarbeitet werden, dass sich für eine waagerechte Vermauerung nicht eignet. Zudem ermöglichte diese Bauweise prinzipiell die Einsparung von Material und erzielte einen gewissen vertikalen Druckausgleich, allerdings mit dem Nachteil, dass das Mauerwerk häufig einem seitlichen Schub ausgesetzt war. An den Übergängen zwischen Füll- und Schalenmauerwerk kam es daher oft zur Bildung von Rissen. Die schräg gestellten Steine sind hier an ein paar Stellen durch größere Blöcke ergänzt, die ursprünglich der Struktur mehr Halt gegeben haben.
    In den Verband eingefügt fand sich das Fragment einer römischen Dachziegel (in der Skizze mit ›R‹ gekennzeichnet).
  4. Darunter bis zum gewachsenen Fels ist der Mauerverbund weitestgehend zerfallen. Erkennbar bleiben Mörtelanhaftungen und -brocken. Die Baumeister haben den sehr unregelmäßigen Untergrund mit Vertiefungen und hoch stehenden Felsnasen genutzt, um den Fundamenten Stabilität zu verleihen. Teilweise sind Felsvorsprünge, die erkennbar aus dem Aufschluss heraus ragen, z.B. in dem Panoramabild rechts der Bildmitte unterhalb der vertikalen Abbruchkante.

Dies deckt sich mit einem Grabunsgergebnis von  Janssen: „(…) fundführende Schichten wurden (…) bis zu einer durchschnittlichen Tiefe von 7 m unter der alten Oberfläche ausgehoben. Dann zeigte sich der in großen Zacken und Blöcken anstehende gewachsene Basaltfelsen. (…) Der Zweck der massiven Auffüllung von mindestens 5 m Schutt bestand darin, für die jüngerer Bebauung ein neues Niveau zu schaffen. Man glich so die durch die natürlichen Felsen gegebenen Unebenheiten aus und schuf für die Bauten des 14. Jahrhunderts ein einheitliches Bauniveau. (…) Der Schutt selbst enthält die Reste früherer Bebauungszustände, ohne daß er die Möglichkeit geboten hätte, konstruktive Details dieser früheren Bebauung wieder aufzufinden.“
(Quelle: Walter Janssen: Die Tomburg bei Rheinbach, Lkr. Bonn. In: Chateau Gaillard IV, Gent 1968)

Auf die Umfassungsmauer übertragen blicken wir von der Seite auf die beschriebene Schichtenabfolge: eine Schuttschicht auf gewachsenem Fels, darüber eine Ausgleichsschicht ›opus spicatum›, auf die das Bauwerk aufgesetzt wurde, hier die Umfassungsmauer. Wenn dem so ist, wäre die Umfassungsmauer spätestens im 14. Jh. entstanden.

Bis auf das erwähnte römische Dachziegelfragment fanden sind keine Einzelfunde, aus denen sich Hinweise auf eine Datierung ableiten ließen. Das ›opus spicatum› selber wurde häufig im 11.-13. Jh. angewendet. Dieser Zeitraum passt in den Gesamtbefund, kann aber noch nicht als gesichert gelten.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Sicherung

Prinzipskizze: eine durch Bodenanker gesicherte Stützmauer leitet seitliche Druckkräfte in den Boden ab.

Die nebenstehende Skizze (links) zeigt das Prinzip der Sanierungsmassnahme: eine mit bis zu 6 m langen Bodennägeln verankerte Stützmauer leitet die Kräfte in den Boden ab und verhindert das weitere Abrutschen in den Steinbruch. Um drückendem Niederschlagswasser das Abfließen zu ermöglichen, wird ergänzend eine Drainage eingebaut.

Die Stützmauer wird mit beschleunigtem (schnell härtendem) Spritzbeton in Schichtdicken von ca. 25-200 mm aufgebaut. Der trockene Beton wird pneumatisch von der Lichtung am Fuß des Tomberges in einem Schlauch nach oben gefördert. In einer Mischdüse wird er vor dem Austritt mit Wasser gemischt und unter hohem Druck ausgestoßen. Dies ermöglicht das flächenartige Aufbringen bei gleichzeitiger Verdichtung durch den in der Spritzdüse entstehenden Druck.

Die Stützmauer wird mit Spritzbeton aufgebaut (blau), mit Stahlmatten armiert (rot) und durch Bodennägel im Untergrund (grün) verankert (Quelle: B. Stiewe).

Die freundlicherweise von Herrn Stiewe (SHB) bereit gestellte Skizze (rechts) verdeutlicht das Prinzip der Sanierungsmassnahme an der Umfassungsmauer M16; die bisher erfolgten Arbeitsschritte sind in der unten stehenden Gallerie illustriert.

Wenn die Betonarbeiten beendet sind, soll vor den Sichtbeton ein Bruchsteinmauer errichtet werden. Es ist auch beabsichtigt, die Innenschale der Umfassungsmauer 40 cm über die heutige Lauffläche aufzumauern. Auch der Übergang vom Fuß der Betonmauer auf die heutige Lauffläche soll baulich gefasst werden, damit die Dimensionen dieser mächtigen Mauer für den Besucher erkennbar werden.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Bautagebuch: nach 2 Monaten

Die Skizze verdeutlicht die Lage der besprochenen Strukturen zueinander. Die sich im Norden und Nordwesten anschließenden Teile sind ebenso Anbauten wie der aktuell sanierte, orange markierte Bereich. Janssen interpretiert verschiedene Bauphasen, die allerdings noch nicht genauer datiert werden konnten.

Die Arbeiten an dem quadratischen Anbau haben große Fortschritte gemacht (Mauer M20). Die Mauerschale wächst auf der Innenseite weiter in die Höhe, zusätzlich verankert mit vermauerten Metallstreben. Ziel ist, dass sie rd. 40 cm über die Lauffläche oben, auf der Ofenseite, hinausgeht. Von oben betrachtet entsteht so ein sichtbarer Rand in das Innere des quadratischen Grundrisses hinein.

Die Mauer M13 ist nun vorbereitet für die Aufmauerung; Material liegt bereit. Sie bildete die Außenmauer eines rechteckigen Gebäudes mit lichten Innenmaßen von 7,70 x 4,40 m. Gegenüber der vom Bergfried kommenden verlaufenden Mauer M1 ist das Gebäude leicht nach Südosten gedreht errichtet worden. Es stößt unmittelbar an die äußere Umfassungsmauer und kann aufgrund der massiven Fundamente als mehrgeschossiger ›Turm‹ angesprochen werden. Die quadratische Struktur wurde in einer späteren Bauphase angebaut. Eine genauere Datierung ist leider bisher nicht möglich. Lediglich ein im Fundament von M1 gefundenes Fragment Pingsdorfer Keramik wurde von Janssen 1968 frühestens ins 12. Jh. datiert; weitere Bauphasen sind folglich jünger.

(Fotos: Andreas Herrmann)

Die folgenden drei Beiträge in dem Blog sind seit dem letzten Newsletter-Versand ebenfalls hinzu gekommen.